South Fermagh teilweise ohne Polizei – Ardoyne bleibt friedlich

Die Lage in Ardoyne hat sich offenbar vorerst beruhigt. Zumindest gestern Nacht gab es keine weiteren Ausschreitungen. Vermutlich hat die Freilassung der beiden Männer, die im Zusammenhang mit den Schüssen am Sonntag verhaftet wurden, die Situation vorerst nicht weiter zuspitzen lassen. In den letzten fünf Tagen lieferten sich jede Nacht mehrere hundert irische Jugendliche die schwersten Straßenschlachten in Belfast seit fünf Jahren.
Die irische Linkspartei „Sinn Féin“ gibt weiterhin „Dissidenten“ aus dem Umfeld der „Real IRA (RIRA)“, der sozialistischen Partei „Eirigi“, „Republican Sinn Féin“ und anderen Gruppen, welche eine bewaffneten Widerstand befürworten (sollen), die Schuld an den Ausschreitungen.
Gerry Kelly, Abgeordneter von „Sinn Féin“ aus dem Belfaster Norden erklärte im Belfast Telegraph
anlässlich einer Morddrohung gegen ihn, dass Gruppen von jugendlichen „Dissidenten“ jede Nacht nach Ardoyne kommen würden und dort das zusammenleben der Menschen stören.

Unterdessen gibt es eine Anweisung der Polizei, dass bestimmte Regionen südlichen Teil des Staates Fermagh von Polizisten nur noch mit dem Hubschrauber betreten werden. Zu hoch sei die Gefahr von Anschlägen auf Polizisten oder Polizeifahrzeuge. Diese Teile von „South Fermagh“ sind nun praktisch in der Hand der „Continuity IRA (CIRA)“, welche auch vergangene Woche an der Grenze zu Irland einen nächtlichen „Checkpoint“ eingerichtet hat und Fahrzeuge kontrollierte. In den vergangenen Jahrzehnten hatten die Checkpoints der IRA den Sinn die katholische Bevölkerung vor Übergriffen seitens der Protestanten bzw. Polizei- und Armeeeinheiten zu schützen. Trotz des symbolischen Charakters dieser Aktionen schafft es die „Continuity IRA (CIRA)“ durch derartige Aktionen (siehe auch CIRA-Volunteer bei den Riots am Sonntag) eine No-Go-Area für die Polizei in manchen Gebieten zu schaffen.
Protestanten fordern mittlerweile, bedingt durch Übergriffe auf protestantische Häuser, wieder das Militär in der Region einzusetzen.
Bleibt abzuwarten wie sich die Situation in „South Fermagh“ entwickelt. Praktisch ist das was nun offiziell von der Polizei als „No-Go-Area“ deklariert wurde schon seit Monaten existent.

Noch eine Mitteilung in eigener Sache:
Falls der Eindruck entstanden sein sollte, dass peacelines.blogsport.de ein „Riotporn“-Blog ist, weisen wir darauf hin, dass die berichtenswerten Vorkommnisse der letzten Tage und der Start dieses Blogs zufällig aufeinander gefallen sind. Unser Ziel ist es, auf der einen Seite aktuell und auch durchaus kritisch über die Vorkommnisse zu berichten, auf der anderen Seite wollen wir auch inhaltlich die historischen Aspekte des Nordirlandkonfliktes aufarbeiten. Dazu werden wir in naher Zukunft den ersten Themenkomplex vorstellen.